Jinane hat in ihrer Heimat eine der führenden Radiostationen des Libanons geleitet. Jetzt lebt die Journalistin mit ihrer Familie in Troisdorf in einem Flüchtlingsheim. Auch die Journalisten Laila, Jiwan, Qadir, Nadim und Baschar flohen aus Syrien und Afghanistan nach Deutschland, um hier in Sicherheit einen Neustart zu wagen.

Keine leichte Aufgabe, denn in Deutschland als Journalist zu arbeiten, erfordert ein hohes Sprachniveau. Trotz der Hürden haben sie sich voller Begeisterung auf ein Projekt eingelassen, das die Hochschule/Bonn-Rhein-Sieg in diesem Semester ins Leben rief. Gemeinsam mit Technikjournalismus-Studenten soll eine Homepage mit verschiedenen Beiträgen entstehen. Unter dem Motto „Migrate your mind“ ging es aber vor allem um den Austausch untereinander und das Voneinander-lernen. Prof. Dr. Michael Krzeminski und der Doktorand Andreas Viehof leiteten den kulturellen und beruflichen Austausch an und gaben Einblick in das deutsche Mediensystem. Ein Besuch beim General-Anzeiger in Bonn und bei Radio Bonn Rhein-Sieg sollte die Theorie schließlich erlebbar machen. Für Jinane und Co bedeutete dies wieder Redaktionsluft zu schnuppern. Am 14. Juni ging es schließlich nach Bonn-Dransdorf zum Verlagsgebäude.

Schaut euch hier das Video zum Besuch an:

GA-Chefredakteur Helge Matthiesen beantwortete viele der Fragen zur Pressefreiheit in Deutschland. Jinane konnte berichten, dass im Libanon Zeitungen nicht nur im Bezug zur Pressefreiheit stark unter Druck ständen, sondern auch wirtschaftlich. Daher interessierte sie wie der GA mit dem Zeitungssterben umginge. Matthiesen beantworte diese Frage mit der Stärke der lokalen Ausrichtung. Die regionale Verortung und die Qualität der Berichterstattung würde eine große Zahl an Abonnenten an die Zeitung binden. Dazu kämen die Einnahmen aus Anzeigen. „Wir sind klein, aber wichtig“, ergänzte er im Bezug zu der geringen Auflage von rund 70 000 Exemplaren pro Tag im Vergleich zu anderen Lokalzeitungen mit Auflagen über 100 000 Stück.  Jinane wollte schließlich noch wissen, ob der General-Anzeiger eine bestimmte Politik verfolge, wenn es um Berichterstattung über Flüchtlinge ginge. „Wir berichten Neuigkeiten unabhängig von Nationalität oder Herkunft, da machen wir da keinen Unterschied“, erklärte Matthiesen.

Mit den Redakteuren Moritz Rosenkranz und Christoph Meurer diskutierten die Flüchtlinge schließlich über die Tücken der deutschen Sprache. Nadim erzählte, dass er den Eindruck hätte, dass viele Deutsche ihre eigene Sprache nicht können würden oder ihm zumindest viele Fragen zur Grammatik nicht beantworten könnten. Gesprochene und geschriebene Sprache seien aber auch in der arabischen Welt oft zweierlei. „Sprache ist auch etwas Dynamisches“, sagte Moritz Rosenkranz und ergänzte, „auch wir bekommen immer wieder Leserbriefe, in denen uns vorgeworfen wird, sprachlich umkonkret zu sein.“ Andererseits müssten Journalisten auch verständlich schreiben und die Leser mit ihrer Sprache erreichen. Beides zu schaffen, wäre die Herausforderung. In den vergangenen Jahren hatten die Lokaljournalisten aber auch immer mal wieder mit dem Vorwurf der Beeinflussung zu kämpfen. „Es ist totaler Quatsch, dass uns irgendjemand von außen sagt, was wir zu schreiben hätten“, sagte Christoph Meurer bestimmt. „Uns macht keiner Vorschriften.“ In den Heimatredaktionen der Geflüchteten hätte das oft anders ausgesehen. Zumindest der Chef hätte jeden Text abgenommen, erzählte Jiwan. „Viele wissen gar nicht, welches Privileg wir in Deutschland mit unserer Pressefreiheit haben.“ Meurer sieht aber auch die Journalisten in der Pflicht, gegen das kollektive Misstrauen den Medien gegenüber etwas zu tun:

Eine Etage über dem Newsroom des General-Anzeigers liegt die Redaktion von Radio Bonn-Rhein-Sieg. Dort konnten die Flüchtlinge im Live-Studio bei der Moderation mithören und selber einmal ans Mikrofon. Für die Radiojournalisten aus Syrien und dem Libanon ein Heimspiel. Reporter Giacomo Zucca und Antonius Nolden mussten daher gleich die ein oder andere technische Frage beantworten.

Hier noch ein paar optische Eindrücke vom Redaktionsbesuch:

 

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