Es ist der 27.Dezember, acht Uhr abends. Auf den Straßen herrscht gähnende Leere, die meisten Eitorfer sitzen in der warmen Stube am Tannenbaum und genießen die ausklingende weihnachtliche Stimmung. Nur bei der Feuerwerksfabrik Weco im Gewerbegebiet tut sich was. Wer sich dem Gelände mit dem Auto nähert, sieht Absperrbänder, Security-Mitarbeiter und einen Imbiss-Stand. In zehn Stunden eröffnet der dreitägige Werksverkauf und einige hundert Feuerwerksfans stehen jetzt schon Schlange.


Bei fünf Grad Außentemperatur wärmen sie sich an Einweggrills, Lagerfeuer und Heizelementen. Die Szenerie ist durchaus skurril: Die Rauchschwaden der Feuerstellen ziehen über die Gitterzäune, die den Parkplatz vom Weco-Gelände und den Lagerhallen trennen. Dort sammeln sie sich also, die Pyrofans aus ganz Deutschland, um die Nacht durchzumachen. Wie jedes Jahr erhoffen sie sich mit einige Überraschungspaketen nach Hause gehen zu können.

Was die Wartenden wirklich antreibt, schaut selbst im Video:

Am nächsten Morgen sind zu den rund 3000 Wartenden noch etliche Journalisten hinzugekommen. Ein dankbares Thema zwischen den Jahren. Wecos Presssprecher Oliver Gerstmeier ist im Dauereinsatz. Doch die Mitarbeiter haben sichtlich Spaß einmal im Jahr die Begeisterung für ihre Ware mitzuerleben. Die Azubis kochen für die frierenden Fans Kaffee und stets stehen einige Mitarbeiter für Fragen zur Verfügung und beobachten gleichzeitig fasziniert und amüsiert das Treiben. Ob das einmalige Event wirklich großen Gewinn abwirft, dazu äußern sich die Mitarbeiter nicht – der Marketing-Effekt wird jedoch deutlich spürbar sein.

Außer bei großen Events wie „Rhein in Flammen“ oder „Kölner Lichter“ hört man im restlichen Jahr nur wenig vom Feuerwerkshersteller. Die Eitorfen bekommen nur hin und wieder ein paar Probeschüsse, auch am hellen Tag, mit. Daran haben sie sich gewöhnt.
Als 2010 ein nahliegendes Gasflaschenlager explodierte wurde den Ortsansässigen noch einmal bewusst, dass ein großes Pulverfass im Gewerbegebiet lagert. Glücklicherweise konnten die Einsatzkräfte damals die Lage schnell unter Kontrolle bringen. Obwohl beim Werksverkauf die Lagerfeuer der Wartenden toleriert werden, weisen immer wieder wachsame Security-Männer darauf hin, wenn eine Pappe zu nah am Feuer liegt oder ein Grill etwas instabil wirkt. Auf dem Werksgelände gilt dann für alle: Handy- und Rauchverbot.

Um neun Uhr am 28. Dezember haben bereits ein Großteil der Wartenden vom Vorabend ihre Pakete in den Autos verstaut und ruckeln mit den Raketenladungen durch das Siegtal Richtung Heimat. Auch die vielen Kamerateams und Fotografen sind abgezogen. Für die kleine Gemeinde ist dies jedes Jahr ein ungewöhnliches Medieninteresse, aber die Eitorfer haben sich an das Spektakel gewöhnt, auch wenn nicht alle den Hype nachvollziehen können. Aber spätestens am Silvesterabend freuen sie die meisten über zahlreiche Feuerwerksblumen am schwarzen Winterhimmel.

Fotos vom Werksverkauf

Artikel im General-Anzeiger von Sofia Grillo

Artikel in der WELT

Advertisements