Fika gehört zum Lebensgefühl

Südschwedens Provinz Skåne bietet Kultur, Geschichte und Entschleunigung.

So wie das schwedische Småland seine Bekanntheit den Kinderbüchern von Astrid Lindgren verdankt, war die südlichste Provinz Schwedens Schonen (Skåne) in den vergangen Jahren vor allem Schauplatz vieler düsterer Krimis. Doch die Region hat mehr zu bieten, als Tatorte aus Henning Mankells Romanen oder der aktuellen Krimiserie „Die Brücke“.

Die namensgebende Öresundbrücke verbindet das dänische Kopenhagen mit der Provinzhauptstadt Malmö und ist somit einer der schnellsten Wege in die vielfältige Kulturstadt. Statt nebliger Krimikulisse erwartet Besucher eine pulsierende, kreative Stadt, in der vor allem gutes Essen, Design und kreative Ideen im Fokus stehen.
Mit mehr Kneipen und Restaurants pro Kopf als jede andere schwedische Stadt ist Malmö auch ein Magnet für Freizeithungrige aus der näheren Umgebung. Ob am historischen Marktplatz „Lilla Torg“ in einer Bar oder in einem der vielen Restaurants im Szeneviertel Möllevångstorget, kurz Möllan – wer in Malmö ausgeht, sollte sich Zeit lassen. In der schwedischen Gastronomie geht Geselligkeit vor Hektik, Qualität vor Quantität. So wundert es nicht, dass sich diese Mentalität auch im Alltag der Schweden wiederspiegelt. Die schwedische „Fika“, Kaffeepause, ist Teil der Arbeitsroutine. Kollegen treffen sich zu festen Zeiten zum gemeinsamen Kaffeeklatsch. In unzähligen Cafés ist Nachschenken von Kaffee (påtår) daher kostenlos, genauso wie W-Lan.

Das Prinzip des Teilens von Ressourcen und der Nachhaltigkeit findet sich auch im modernen Westhafen (Västra Hammen) von Malmö. Neben innovativer Architektur rund um das Wahrzeichen den Turning Torso gibt es einen Skaterpark, Kletteranlagen und ein Kreativzentrum mit dem Namen „Stpln“. Der Name ist eine Abkürzung für Stapelbädd, der Stelle im Hafen, wo die Schiffe aus der Werft vom Stapel liefen. In eine der ehemaligen Schiffsrampen eingelassen, befinden sich die Räume des Kreativzentrums. Dort steht kostenlos Fläche zum Arbeiten zur Verfügung, entweder klassisch am mitgebrachten Laptop oder handwerklich in einer kleinen Fabrik. Vor allem der Nähmaschinenraum sei sehr beliebt, erzählt Bertil Björk, Leiter des Zentrums. Wer Außerhalb der Öffnungszeiten Angebote nutzen möchte, zahle etwas oder werde Mitglied, erklärt er das System. Viele der Rohstoffe seien Reste aus der Industrie, die von lokalen Firmen zur Verfügung gestellt würde. Für Kinder gibt es einen Raum zum Basteln mit den verrückten Materialien. Auch alte Räder werden in einer so genannten Fahrradküche wieder fahrtauglich gemacht und den Tüftlern kostenlos zur Verfügung gestellt. „Physische Mobilität bedeutet auch soziale Mobilität“, sagt Björk.

Denn Fahrradfahren gehört in Malmö zur Selbstverständlichkeit. Es gibt unzählige Radwege quer durch die Stadt, oft zweispurig und mit eigenen Ampelschaltungen. Die meisten Hotels bieten Leihfahrräder an. Wer nach einer Erkundungstour auf dem Rad abends etwas Wellness genießen möchte, kann in einem der Freiluftbäder in die Sauna gehen und in den kalten Öresund springen. Eine andere Möglichkeit die Provinz Schonen authentisch zu erleben, bietet „A slice of sweedish hospitality“. Unter diesem Titel bieten schwedische Einheimische ein Essen bei sich zu Hause an. Über eine Internetseite kann die Familie und der Tag ausgesucht werden. Familie DeRosa aus dem Vorort Bjärred beteiligt sich hierbei schon länger als Gastgeber. „Wir haben bisher nur positive Erfahrungen gemacht“, erzählt Carina DeRosa. Während sie in der Küche Gerichte wie „Pytt i panna“, eine Art schwedische Bauernpfanne, zubereitet, zeigen ihr Mann Leo und die beiden Söhne gerne die Umgebung. Wer sich darauf einlässt, kann mehr erfahren als nur Tipps für Sehenswürdigkeiten: Beispielsweise welche Bräuche die Schweden jenseits von Mittsommer feiern.

Was sind die besten Plätze in Malmö, Locationzapping hat sich umgehört: 

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In die nahegelegenen Universitätsstadt Lund pilgern am 31. April hunderte Jugendliche. Der Grund: Walpurgisnacht. Tagsüber wird im Stadtpark gepicknickt und abends werden Frühlingslieder angestimmt und ein großes Feuer entzündet. Doch nicht nur im Frühling ist Lund einen Besuch wert. Die Bahn fährt eine knappe Viertelstunde von Malmö nach Lund. Mittelalterliche Fachwerkhäuser und Backsteingebäude prägen das Stadtbild. Im Herzen steht der Dom, die älteste Kirche Skandinaviens und direkt daneben die 1666 gegründete Universität. Hier trifft junges Studentenleben auf Zeitgeschichte. Neben dem Universitätsgelände befindet sich das zweitälteste Freilichtmuseum der Welt „Kulturen“. Es wurde 1892 gegründet und hatte schon damals den Zweck die Traditionen, Gebäude, Kunst und Handwerk für die nachkommenden Generationen zu bewahren. Einige Häuser stehen immer noch am Originalplatz. Trotzdem ist „Kulturen“ ein lebendiges Museum. In der alten Kirche werden Hochzeiten gefeiert. Und bei vielen Festen wie dem Mittsommerfest gibt es Programm. Touristenführerin Monika Lennartsson zeigt in Originaltracht einer Magd wie die Menschen damals lebten. „Hier kann man erleben, erspüren, erfahren, wie es früher in Südschweden war und das begeistert mich immer wieder aufs Neue“, sagt die Deutsche, die inzwischen in der Nähe von Lund lebt. Sie kennt auch noch einen weiteren Geheimtipp: Draisinefahren auf ausgedienten Bahnschienen in Romeleåsen, in der Nähe von Lund. Rund sieben bis zehn Kilometer geht die Strecke durch die idyllische Landschaft mit Picknickplätzen in der Natur. An einem sonnigen Tag machen dort die Schweden das, was sie am liebsten tun: Kaffeepause, Fika.

Anreise nach Skåne:
Mit dem Auto entweder über Dänemark über die Öresundbrücke oder drei Mal täglich von Travemünde mit der Autofähre, Fahrzeit neun Stunden.
Mit dem Flugzeug nach Malmö oder Kopenhagen. Von Kopenhagen fährt alle 20 Minuten eine Bahn über den Öresund.

Street Art in Malmö: 

Links:
http://visitskane.com/de
http://www.kulturen.com
http://www.asliceofswedishhospitality.com
http://www.dressincykling.se

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