Skål!

Es sollte eine ganz normale Führung über das Gelände der schwedischen Universität Lund werden. Doch während wir noch andächtig den geschichtlichen Anekdoten über die zweitälteste Universität Schwedens lauschten, schien sich hinter dem uralten Backsteingemäuer etwas noch Spannenderes abzuspielen.

Mitten auf einer Wiese vor dem Hauptverwaltungsgebäude sahen wir es dann: Eine gedeckte Tafel mit Kerzenleuchter, Speisen und etlichen alkoholischen Getränken und drumherum versammelt eine Horde Studenten in einheitlichen Jacketts.

Sjölund ist eine von vielen Studentenverbindungen Lunds. Einige der Gemeinschaften gehen tatsächlich auf die Gründung der Universität 1666 zurück und hatten größtenteils den Zweck Studenten aus den gleichen schwedischen Regionen zusammenzubringen. Bei einer solchen Gründungs-Schnapszahl wundert es nicht, dass die Feier dieser schwedischen Marine-Verbindung vor allem feucht-fröhlig zelebriert wird. Auf Nachfrage gaben sie noch ein kleines Trinklied zum Besten.

Hört rein. Noch mehr musikalische Traditionen der Studenten aus Lund:

Die Tradition am 30. April die weißen Studentenmützen aufzusetzen, wird natürlich von Lunds ältestem Chor „Studentsångförening“ begleitet. Es ist ein feierlicher Moment, wenn plötzlich aus der Masse der Zuhörer die weißen Mützen zum Vorschein kommen und endlich auch die frischgebackenen Abiturienten ihre neuen Studentenkappen aufsetzten dürfen. Doch diese Zusammenkunft vor dem Gebäude der „Academic Union“ ist nur ein Vorgeschmack auf das große Konzert, das am 1. Mai traditionell auf der Treppe des Hauptgebäudes stattfindet und im schwedischen Fernsehen übertragen wird. Dann wächst der Chor zu seiner stattlichen Größe von über 100 Sängern an. Mit diesem musikalischen Ritual beginnt eine neue Zeit, Lund blüht auf und präsentiert sich ganz Schweden. Und fast wie beim Wiener Neujahrskonzert wird dieses musikalische Event auch später am Abend im Fernsehen noch einmal wiederholt – damit auch niemand den Beginn des Frühlings verpasst.

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