Kinder sind die Zukunft. Dieser Ausspruch war nicht nur Titel der ARD-Themenwoche 2007, sondern er ist vor allem Inbegriff für eine neue unbeschwerte Generation. Nicht selten umgeben sich ältere Menschen mit Kindern, die ihnen eine Ahnung von der Zukunft vermitteln. Ins Kinderhospiz Regenbogenland in Düsseldorf kommen Eltern mit ihren Kindern, die keine gemeinsame Zukunft mehr haben. Es ist ein Ort zum Abschiednehmen und zum Genießen der kostbaren verbleibenden Zeit.

Hofmann und ein Junge; Foto: Christine Siefer
Hofmann und ein Junge; Foto: Christine Siefer

Der 72-Jährige Wolfgang Hofmann ist ehrenamtlich im Kinderhospiz tätig. Für ihn hat der Tod an diesem Ort seinen Schrecken verloren. „Das setzt für mich mehr Leben frei, denn es zeigt mir, dass ich die mir verbleibende Zeit nutzen soll. Das ist mein ganz persönlicher Gewinn“, sagt Hofmann.

In der Audio-Slide-Show gibt Hofmann einen Einblick in sein Ehrenamt:


Schulungen für Ehrenamtliche

In seinem Ehrenamt macht Wolfgang Hofmann das, was er auch im Alltag tut: Opa sein. „Großeltern sind nicht dazu da zu erziehen, sie sind zum Verwöhnen da. Wenn die Kinder in der Nase bohren, sollen sie in der Nase bohren. Punkt aus“, sagt Hofmann lachend. Durch die Mithilfe der Ehrenamtlichen im Hospiz wird unter anderem eine kontinuierliche Begleitung der erkrankten Kinder und ihrer Geschwister ermöglicht. Damit die Freiwilligen der Situation auch langfristig gewachsen sind, werden sie im Vorfeld geschult.

Mitarbeiter; Foto: Christine Siefer
Hofmann und ein Junge; Foto: Christine Siefer

Auch Wolfgang Hofmann beschäftigte sich in der Schulungsgruppe mit den Möglichkeiten und Grenzen der Betreuung und war froh zu Beginn am Empfang arbeiten zu können. „Das war ein idealer Einstieg, so konnte ich die Kinder Schritt für Schritt kennenlernen.“ Inzwischen betreut er regelmäßig Kinder im Hospiz. Es sei immer wieder eine neue Herausforderung mit den Kindern in Kontakt zu kommen und herauszufinden, was ihnen Freude bereitet. „Viele Kinder haben nur eine geringe Wahrnehmung“, erklärt Hofmann. Wenn er dann von einem der Kinder eine positive Reaktion erhalte, wären dies Glücksmomente. Diese Momente hätten sich tief in sein Gedächtnis eingebrannt, wie beispielsweise der Ausflug mit einem erkrankten Mädchen und deren Familie in die Stadt. Für alle Beteiligten eine ungewöhnliche und doch bereichernde Erfahrung.

Ein besonderer Moment wäre auch die Begegnung mit einem Jungen gewesen, der fast komatös auf dem Wasserbett des so genanten Snoezel-Raums lag, der durch Licht- und Klangeffekte die Sinne ansprechen soll. Doch erst nachdem Hofmann ihm lange Hände und Füße massiert hatte, zeigte er eine Reaktion. Schließlich erzählt Hofmann noch von dem Mädchen, dass sich in sein Enkelherz geschlichen hätte. Sie sei auch mehrfach geschädigt, hätte aber ein ausgeprägtes musikalisches Gehöhr. „Sie will dann immer sofort singen und bestimmt auch, was gesungen wird, indem sie die Melodie ansummt“, erzählt Hofmann. „Ich merke dann, der Kleinen tut es gut und mir auch.“

Gemeinsames Abschiednehmen

Wolfgang Hofmann und alle Mitarbeiter des Regenbogenlandes folgen dem Leitgedanken der Begründerin der Hospizbewegung Cicely Saunders „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“. Mit diesem Ziel wurde das Kinderhospiz Regenbogenland in Düsseldorf 2004 gegründet, das sich zu 75 Prozent aus Spenden finanziert. Neben den ehrenamtlichen Mitarbeitern gibt es ein fachkundiges Pflegeteam, bestehend aus Kinderkrankenschwestern und Krankenpfleger. So können neben der Unterkunft und Verpflegung, palliativ-medizinische, palliativ-pflegerische, soziale und geistig-seelische Leistungen sowie Sterbe- und Trauerbegleitung genutzt werden. Dazu stehen auch zwei Kinderärzte und eine Seelsorge zur Verfügung.

Das Kinderhospiz kann bis zu acht kranke Kinder beherbergen. Angehörige können ebenfalls im Hospiz übernachten, sieben Appartements stehen für Eltern und Geschwister zur Verfügung. Das Kinderhospiz möchte ein gutes Zuhause, ein Wohlfühl-Ort sein. „Es wird so viel gelacht hier, das glaub man gar nicht“, sagt Wolfgang Hofmann. Dennoch bleibe es auch ein Ort des Abschiednehmens. „Was für mich doch schwierig ist, ist die Tatsache, dass die Kinder vor den Eltern sterben. Das der Kreislauf einfach so durchbrochen wird“, ergänzt Hofmann.

Ruhe finden

Abschiedraum;Quelle.Regenbogenland
Abschiedraum;Quelle.Regenbogenland

Daher steht auch die Trauerbegleitung allen Angehörigen und Mitarbeitern zur Verfügung. Regelmäßige Angebote sind unter anderem die Familiennachmittage, an denen betroffene Familien die Gelegenheit bekommen sich kennenzulernen und auszutauschen, ein Trauercafe für Gespräche, sowie eine Trauergruppe für Kinder. Die Begleitung über den Tod hinaus ist eine wichtige Aufgabe des Kinderhospizes. Im Abschiedsraum können die verstorbenen Kinder aufgebahrt werden. Dadurch wird den Familien ermöglicht, in Ruhe und bewusst Abschied zu nehmen.

Den Tod in die Mitte zu nehmen, nicht zu tabuisieren und darüber zu sprechen, ist Teil der Trauerarbeit. In der Mitte des Aufenthaltsraumes befindet sich der Erinnerungsbrunnen. Auf den Steinen, die auf dem Brunnenrand liegen, stehen die Namen der Kinder, die im selben Jahr gestorben sind. Die Familien suchen sich später einen Platz neben dem Brunnen für den Stein ihres Kindes aus. In der Informationsbroschüre des Hospizes wird das Ziel des Erinnerungsritus so beschrieben: „Ziel ist es, sich neu zu orientieren und den Blick in die Zukunft zu richten – neue Wege zu entdecken, trotz Verlust wieder lebensfroh zu sein.“ Auch Wolfgang Hofmann richtet seinen Blick positiv in die Zukunft. „Ich bin ein ganz lebensfroher Mensch, vielleicht, da ich weiß, dass das Leben nicht endlos ist.“ Die Kinder im Regenbogenland leben im „Jetzt“. Es ist die kostbarste Zeit, die sie haben.

Spendenmöglichkeiten finden Sie auf http://www.kinderhospiz-regenbogenland.de

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