Es ist schon ein besonderes Gefühl, wenn über zehn Chöre aus verschiedenen Ländern zusammen Leonard Cohens Hallelujah und die Ode an die Freude anstimmen. Auch jetzt ein halbes Jahr später denke ich noch gerne an den August in Prag zurück, wo ich zusammen mit einer Auswahl von Sängern und Sängerinnen des Collegium musicum Bonn zum Chorfestival fahren durfte.

Mit im Gepäck geistliche A-cappella-Musik des 19. und 20. Jahrhunderts mit Werken unter anderem von Anton Bruckner, Max Reger und Alfred Schnittke. Nach einer langen nächtlichen Busfahrt und einem Zwischenstopp in Pilsen kam der Chor erschöpft in Prag an. Viel Zeit zum Ausruhen gab es nicht – zwei Konzerte unter Leitung unseres Dirigenten Ansgar Eimann standen an. Mitten im historischen Kern der Stadt am Altstädter Ring steht St. Nikolaus, eine romanische Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Das rege touristische Treiben spülte auch während der Darbietungen der einzelnen Chöre immer wieder Menschenmassen durch die Hauptpforte der Kirche. Einen solchen Auftritt hat es in der 60-jährigen Geschichte des Collegium musicums bisher wahrscheinlich noch nicht gegeben. Vor zahlreichen gezückten Handys sangen wir unser Repertoire in die kunstvoll geschmückte Kuppel und in die Speicherkarten der Touristen. Langweilig ist es den Zuhörern bestimmt nicht geworden, so unterschiedlich waren die Ensembles und ihre musikalische Ausrichtung. Von Barbershop, über Musical bis hin zur Klassik war alles vertreten.

Hier eine kleine Auswahl:

Abends machten wir bei einer Moldaufahrt und einem traditionellen tschechischen Essen nähere Bekanntschaft mit dem Männerchor aus den Niederlanden und dem Unichor aus Portugal, deren Leidenschaft für die Musik bei zahlreichen Ständchen deutlich wurde. Eindrucksvoll waren für mich vor allem die gefühlvollen Lieder der Portugiesen in der Kulisse des nächtlichen Prags.

Prag bei Nacht; Foto: Christine Siefer
Prag bei Nacht; Foto: Christine Siefer

In St. Salvator kamen schließlich noch einmal alle zusammen, um gemeinsam das Festival stimmgewaltig zu beenden. Das gemeinsames Dirigat funktionierte bei der Masse an Teilnehmern und der Verteilung in der Kirche nur halbwegs, so waberte eine Klangwolke umkoordiniert doch mit viel Gefühl und Seele durch die Kirche hinaus auf die Straßen Prags.

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