Zum ersten Mal in Bonn? Locationzapping hat die beliebtesten Sehenswürdigkeiten und Geheimtipps gesammelt für eine unvergessliche Zeit in der Bundesstadt Bonn.

1. Ankunft

Wer am Bonner Bahnhof mit dem Zug ankommt, der wird Bonn derzeit (Stand März 2018) als Baustelle erleben. Neben Renovierungen im Bahnhof, entsteht auf dem Vorplatz ein riesiger Gebäudekomplex mit Geschäften, Büros, Hotel und Parkräumen (Link Artikel GA-Bonn). Wer die Baustelle umgehen möchte, kann sich im Hauptbahnhof  in die U-Bahn-Linie 66 Richtung Siegburg setzen und an der Haltestelle Stadthaus oder Bertha-von-Suttner-Platz austeigen (Die Bonnerin Bertha von Suttner war übrigens 1905 die erste weibliche Friedensnobelpreisträgerin) oder mit der 66 über die Kennedybrücke in den Stadtteil Beuel fahren (mehr zu Beuel bald auf Locationzapping).

2. Beethoven-Denkmal

Wir starten unseren kleinen Bonner Rundgang trotzdem nur einige Schritte vom Bahnhof entfernt auf dem Bonner Münsterplatz, dem Herzstück der Innenstadt. Hier können Besucher den wohl berühmtesten „Sohn der Stadt“ Ludwig van Beethoven begrüßen. Sein Denkmal wurde dort 1845 aufgestellt, mitfinanziert von Franz Liszt, eingeweiht unter anderem von König Friedrich Wilhelm IV und Königin Victoria aus England. Als die Statue enthüllt wurde, staunten die royalen Gäste nicht schlecht – die Beethoven-Statue drehte ihnen den Rücken zu und blickt bis heute auf den Münsterplatz und nicht auf den Balkon, auf dem einst die gekrönten Häupter standen. Auf dem Sockel des Denkmals findet man übrigens verschiedene Darstellungen der Musikarten, die Beethoven komponiert hatte: Phantasie, geistliche Musik, Symphonie, dramatische Musik.

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Karte von Bonn, Bild: Christine Siefer

3. Das Bonner Münster und die Stadtpatrone

Am Münsterplatz befindet sich  – welch Überraschung – das Bonner Münster. Seit dem 13. Jahrhundert ist es ein Wahrzeichen der Stadt Bonn. Wenn sich auch das Panorama der Stadt weitgehend verändert hat, so ist das Münster immer noch beherrschend für das Stadtbild. Trotzdem oder gerade deswegen wird nun auch das Münster generalsaniert und ist deswegen bis 2019 geschlossen. Der Kreuzgang ist noch voraussichtlich bis Sommer 2018 zu besichtigen und eignet sich hervorragend für ein kurzes Durchatmen (über Gerhard-von-Are-Straße 1/5). Die nächstliegende Kirche, die man vom Münsterplatz schon sehen kann, ist die evangelische Kreuzkirche, in der regelmäßig tolle klassische Konzerte stattfinden. Auf dem direkten Weg dorthin begegnen wir jedoch noch zwei großen steinernen Köpfen am Fuße des Münsters. Die Bonner Stadtpatrone Cassius und Florentius waren römische Soldaten, die in der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian den Märtyrertod gestorben sind. Im frühen vierten Jahrhundert, also noch in römischer Zeit, wurde an der Stelle der heutigen Münsterbasilika eine Totengedächtnisstätte errichtet, im achten Jahrhundert entstand hier eine Stiftskirche. Nach deren Abriss begann man im elften Jahrhundert mit dem Bau der Kirche „St. Cassius und Florentius“, dem heutigen Münster. (Quelle Stadt Bonn)

Cassius und Florentius vorm Bonner Münster, Foto: Siefer
Cassius und Florentius vorm Bonner Münster, Foto: Siefer

4. Kaiserplatz

Haribo-Laden in der Bonner Innenstadt; Foto: Christine Siefer
Haribo-Laden in der Bonner Innenstadt; Foto: Christine Siefer

Wir lassen die Beiden zurück und überqueren die Straße „Am Hof“ Richtung Kreuzkirche und kommen an einem Geschäft vorbei, das dem ein oder anderen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen wird: Ein Haribo-Laden in der Straße „Am Neutor“. Der Name steht für „Hans Riegel Bonn“ und selbst wenn das Hauptwerk aus Bonn ins benachbarte Grafschaft ausgewandert ist, bleiben Gummibärchen ein echtes Bonner Grundnahrungsmittel. Wer hier widersteht, kann gegenüber bei Lindt oder ein paar Meter weiter bei den Eisdielen am Kaiserplatz sündigen. Vom Frühjahr bis Herbst laden Cafés, ein Brunnen und ein kleiner Bücherstand zum Verweilen ein. Vom Kaiserplatz kann man in der Ferne das Poppelsdorfer Schloss erkennen.

Kaiserplatz; Foto: Christine Siefer
Kaiserplatz; Foto: Christine Siefer

5. Hofgarten

Links von der Kreuzkirche liegt der Hofgarten, wo in den 80er Jahren Hunderttausende für Frieden und Abrüstung und den NATO-Doppelbeschluss demonstrierten. Von der spannenden Hauptstadt-Zeit kann man in Führungen und Museum mehr erfahren. Heute wird der Hofgarten Schauplatz zahlreicher Freizeitaktivitäten, sogar Quidditch, bekannt aus Harry Potter, wird hier in abgewandelter Form gespielt. Ansonsten spielen auf der Wiese kleinere Gruppen Fußball oder Federball neben sonnenhungrigen Studenten, die einfach die Zeit zwischen den Vorlesungen genießen.

Hofgarten; Foto: Christine Siefer
Hofgarten; Foto: Christine Siefer

6. Universität

Das gelbgestrichene Unihauptgebäude prägt das Stadtbild, das Innere des Gebäudes und den Arkadenhof erreicht man auch von der Hofgartenseite. Das Kurfürstliche Schloss sieht zwar alt aus, ist jedoch im Laufe seiner Geschichte oft zerstört und wiederaufgebaut worden. Als es beispielsweise 1777 ausbrannte, wäre fast die Stadt in Flammen aufgegangen. Im Jahr 1818 schenkte der preußische König das Gebäude der neu gegründeten Friedrich-Wilhelms-Universität. 1944 wurde es durch Bomben erneut zerstört. Nach Kriegsende halfen die Studenten mit, ihre Uni wiederaufzubauen. Unter der Woche kann man, wenn man Glück hat, aus der Aula einige der Musikensembles proben hören. Die Konzerte der Uni-Ensembles sind meist kostenlos. (Link zu Artikel über das Collegium musicum)

7. Alter Zoll

Im Sommer lockt der nahegelegene Alte Zoll mit einem atmosphärischen Biergarten mit Rheinblick, einem Platz für freies Boule-Spielen und Open-Air-Konzerten sowie einer Wiese für Picknick und Grillfeste. Auch hier befindet sich eine Beethovenstatue, die jedoch umstritten ist. Findet raus, warum.

8. Cafés in Bonn

Jetzt eine Kaffeepause? Natürlich gibt es in Bonn eine Vielzahl Cafés und Restaurants. Die kleinen gemütlichen Stuben findet man jedoch eher in den Stadtteilen wie der Altstadt oder der Südstadt. In der Nähe des Alten Zolls und der Uni finden Studenten im Café Orange (mit Wlan!) und im Café Blau (ohne Wlan) Zeit zum Entspannen. Letzteres befindet sich im größtenteils leerstehenden Viktoriakarree, das langfristig ebenfalls eine umstrittene Rundumerneuerung erhalten soll. Die Zukunft des Café Blau ist an dieser Stelle also ungewiss. Ein Grund mehr, noch einmal vorbeizuschauen.

Exkurs: Cafés in Bonn

Tee Gschwendner in Bonn, Foto: Siefer
Tee Gschwendner

Für Teefans bietet sich in der Innenstadt ein Besuch im „Tee Gschwendner“ an. Der Laden ist in einem der wenigen Fachwerkhäuser untergebracht in der Nähe vom Münsterplatz, im so genannten Dreieck. Die Besonderheit: die kleine Teestube unterm Dach. Am Wochenende ist sie meist bis auf den letzten Platz belegt, obwohl dafür außen nicht viel Werbung gemacht wird. Trotz teurer Preise lohnt sich ein Besuch. Wer Fair-Trade-Kaffee mag, findet im hinteren Bereich des Contigo-Faitrade-Shops in der Wenzelgasse in der Nähe vom Bahnhof eine Bar mit Tischen und Stühlen. Hier wird der Kaffee sogar frisch geröstet.Hier noch zwei Tipps für Altstadt-Cafés: Madame Negla (bunt, klein und individuell), Café Frau Holle (künstlerisch, kreativ).

9. Marktplatz

Von der Uni sind es nur wenige Meter zum Marktplatz, der seinem Namen noch alle Ehre macht. Hier übertönen sich Marktschreier, um ihr Obst und Gemüse anzupreisen. Mittags kann man hier auch an einigen Foodtrucks eine Kleinigkeit essen. Der Hingucker ist natürlich das alte Rathaus, in dem sich zu Hauptstadtzeiten Berühmtheiten wie John F. Kennedy und Queen Elisabeth ins Goldene Buch der Stadt eintrugen. Wer das obligatorische Selfie gemacht hat, sollte sich den Boden vorm Rathaus einmal genauer ansehen. Im Pflaster erinnern Bronze-Buchrücken an die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933. Unter der Erde befindet sich zudem eine Büchertruhe, in der einige dieser Werke aufbewahrt werden. Am 10. Mai wird die Truhe geöffnet und aus den Büchern vorgelesen, danach kommen neue Werke in die Truhe.

Links vom Rathaus befindet sich fast eingequetscht das Gasthaus „Em Höttche“. Es ist Bonns älteste Gaststätte und soll schon 1389 erwähnt worden sein. Natürlich musste auch das Höttche nach dem Krieg neu aufgebaut werden. Erwähnenswert ist, dass das Lokal oft von Frauen geführt wurde. 1585 kam es in die Hände der Ehefrau des Bürgermeisters. Bierbrauende Frauen wurden leider aufgrund ihres Kräuterwissens oft als Hexe bezeichnet. So erging es auch Elisabeth Kurtzrock, die schließlich auf dem Bonner Richtplatz verbrannt wurde. (Quelle). Am Markt befindet sich auch die Thalia-Buchhandlung, die wohl keine Nennung wert wäre, wenn sie nicht im ehemaligen „Metropol“-Kino wäre und noch ein paar innenarchitektonische Referenzen aufweisen würde. In dessen Kuppelsaal finden unter anderem noch Lesungen statt.

Karte von Bonn; Bilder: Christine Siefer
Karte von Bonn; Bilder: Christine Siefer

10. Beethovenhaus

Das Geburtshaus Beethovens in der Bonngasse 20 in der Nähe des Marktplatzes darf natürlich nicht unerwähnt bleiben. Es beherbergt ein Museum. In den umliegenden Gebäuden (Bonngasse Nr. 18 und 24–26) sind das Forschungszentrum mit Sammlung, Bibliothek und Verlag sowie der Kammermusiksaal untergebracht, dort finden regelmäßig Konzerte statt. Für Beethovenfans ein Muss. Auf dem Weg dorthin kommt man an der Name-Jesu-Kirche vorbei, die den Altkatholiken als Bischofskirche dient. Sie ist klein aber schön und ist einen Abstecher wert.

11. Sternstraße und Sterntor

Zurück auf dem Marktplatz geht’s Richtung Sternstraße, hier gibt es die üblichen Stadtgeschäfte für den schnellen Einkauf von Drogerieartikeln, Kleidung oder Parfum. Wer den Blick von den Schaufenstern nach oben hebt, kann an den bunten Fassaden noch erkennen, wann die Häuser gebaut wurden und vor allem, was für ein Handwerk dort angeboten wurde. Unter den Verzierungen ist zum Beispiel eine große Brezel, die Rückschlüsse auf den Namen der Straße zulässt: Ursprünglich hieß die Straße „Pisternenstraße“ aus dem Lateinischen von „pistrina“ für Bäckerei. Am Ende der Straße kann man das Sterntor, der Rest der mittelalterlichen Stadtbefestigung, sehen.

Karte von Bonn, Bild: Christine Siefer
Karte von Bonn, 1: Bahnhof; 2: Beethovendenkmal; 3: Cassius und Florentius, 4:Kaiserplatz; 5: Hofgarten; 6:Arkadenhof der Uni Bonn, 7: Alter Zoll; 8: Cafe Blau, 9: Markt; 10: Beethovenhaus, 11. Sterntor, 12: Brauhaus Bönnsch; 13:Altstadt; 14: Namen-Jesu-Kirche, 15: Remigiuskirche, 16: Stiftskirche; 17: Taj India, 18: Woki-Kino, 19: Oper Bonn, 20: Remigiusplatz, 21: Cafe Gschwendner, 22: Kreuzkirche; 23: Cafe Orange

Restaurants

Wer gut-bürgerliche Küche mag, findet bestimmt am Friedensplatz etwas. Im Brauhaus Bönnsch gibt es neben der gut-bürgerlichen Küche das namensgebende Bier. Hier eine kleine Auflistung von besonderen Restaurants:

Exkurs Restaurants:

Der Spanier: Am Rande der Altstadt liegt der Verkaufsraum für spanische Köstlichkeiten, der mittags Bistro und abends Restaurant wird. Inzwischen ist der Ansturm auf das Kult-Lokal so groß, dass in der Nachbarschaft noch ein richtiges spanisches Restaurant eröffnet hat mit etwas mehr Komfort.

Taj India, Nähe Stiftsplatz: Auch hier besser reservieren. Das typisch indische Restaurant ist immer gut besucht. Neben dem gold-kitschigen Interieur gibt es köstliche indische Gerichte, die teilweise brutzelnd auf Pfännchen aus der Küche kommen. Wer nichts dagegen hat, nach dem Besuch noch etwas nach Curry und Co. zu duften, für den ist es genau das Richtige.

Frittebud: Stehbistro mit selbstgemachten Burgern, für jeden Geschmack was dabei. Artikel der Bonnerin: MissBonne zur Frittebud.

Skybar: Für den Cocktailabend eignet sich die Skybar Konrads auf dem Marriots Hotel am neuen WCCB. Für den atemberaubenden Blick über Bonn zahlt man natürlich mit. Die Getränkekarte ist jedoch im Netz einsehbar samt Preisen: Höher kann nur noch der Posttower.

Altstadt

Kirschblütenfest in der Bonner Altstadt; Foto: Christine Siefer

Ein Besuch in der Altstadt, die offiziell innere Nordstadt heißt, lohnt sich vor allem abends für eine Kneipentour. Im Sommer stehen die Gruppen teilweise bis auf die Straße mit ihren Getränken. Eine Auflistung ist fast unmöglich, da bei Lieblingskneipen die Meinung stark auseinander gehen. Die Einen schwören auf das Maya, Lichtblick, Limes, Nyx, andere auf den Tresor, die Musiktruhe, das Chimära oder Pawlow. Einfach losziehen und überraschen lassen. Ein besonderer Anblick, nicht nur nachts, bietet natürlich die blühende Kirschblüte im April.

Wegweiser in der Bonner Innenstadt; Foto: Christine Siefer
Wegweiser in der Bonner Innenstadt; Foto: Christine Siefer

Unser Rundgang durch die Innenstadt endet nun. Doch was, wenn es nur regnet? Für diesen Fall hat Bonn viele tolle Museen zu bieten.

Museen

Wer dem politischen Bonn nachspüren will, der sollte sich den Kanzlerbungalow ansehen. Die Villa Hammerschmidt als zweiter Amtssitz des Bundespräsidenten ist nur unter Anmeldung bei der Stadt Bonn unter Führung zu besichtigen.

Fast gegenüber liegt das Museum Koenig. Das Zoologische Forschungsmuseum  ist eines der großen naturgeschichtlichen Forschungsmuseen in Deutschland und hat auch in der Geschichte der BRD eine wichtige Rolle gespielt. Da sonst in Bonn keine repräsentativen Gebäude verfügbar waren, fand in der großen Halle („Lichthof“) des Museums am 1. September 1948 der Festakt zum Zusammentritt des Parlamentarischen Rates statt, der das Grundgesetz verabschiedete. Die großen Museen sind am besten mit der U-Bahn (16,66,68) zu erreichen. Die Haltestelle Heussallee heißt nicht umsonst auch „Museumsmeile“. Hier befindet sich das Kunstmuseum, die Bundeskunsthalle und das Haus der Geschichte. Ein paar Meter weiter ist auch die Deutsche Welle und die UN (natürlich gehören die nicht zur Museumsaufzählung).

Besonders empfehlen kann ich das Haus der Geschichte, das auch nach vielfachem Besuch immer noch spannend und anschaulich ist. Im hauseigenen Shop können tolle Souvernirs gekauft werden.

Für Kinder ist das etwas abgelegene Deutsche Museum Bonn einen Besuch wert. Hier können Klein und Groß Technik erleben, ausprobieren und anfassen. Einfach mit der U-Bahn 16 oder 68 vier Stationen weiterfahren (Hochkreuz) und dann ein paar Meter zu Fuß gehen.

Wenn das Wetter zu warm für die Innenstadt und zu schön fürs Museum ist, dann hat Bonn den idealen Ort zum Abkühlen: die Rheinaue.

Rheinaue

Entweder mit der U-Bahn 66 bis zur Haltestelle Rheinaue fahren, am Rhein entlang spazieren (von der Stadt aus 30-45 Minuten) oder ein Rad am Bahnhof leihen und hin radeln. Das Gelände der ehemaligen Bundesgartenschau 1979 ist riesig und bietet genug Platz für Picknick und Freizeitspaß. Lohnenswert ist ein Besuch der Baseballanlage (http://www.capitals.de) – dort trainieren und spielen die Capitals u.a. in der Bundesliga. Einmal im Monat gibt es zudem den großen Rheinauenflohmarkt, einer der schönsten und größten Flohmärkte Deutschlands.

Bald auf Locationzapping:

Tipps für einen Ausflug in die nähere Umgebung von Bonn und ein Stadtteil mit Charme: Beuel.

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