Anfang August ist es soweit: Der Chor des Collegium musicums Bonn fährt zum Prager Chortreffen. Rund 40 Sänger des großen Konzertchores nutzen die Möglichkeit im Ausland den Chor zu vertreten und gemeinsam mit anderen Chören die Freude am Singen zu zelebrieren. Und das ist keine Selbstverständlichkeit. In den vergangen zwei Jahren lag der Fokus von Chor und Orchester eher auf dem Fortbestehen der beiden Ensembles.

Nachdem die Universität Bonn das seit sechszig Jahren existierende Collegium musicum offiziell auflöste und die bestehenden Ensembles in das neugegründete Kulturforum für Musik und Tanz überführte, kam es zum vorläufigen Bruch der beiden Ensembles mit ihrer Alma Mater. Der Streit um die Nachfolge des musikalischen Leiters Andre Kellinghaus gipfelte schließlich darin, dass die Universität keine Proberäume mehr zur Verfügung stellte.

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Die Forderung nach Mitbestimmung und künstlerischer Freiheit führte aufgrund von Missverständnissen und verhärteten Fronten letztendlich zu einer verordneten Generalpause, die von den engagierten Musikerinnen nicht hingenommen wurde. Unter dem Slogan „Generalpause – nein, danke“ sammelten sie Unterschriften für den Erhalt des Collegiums und organisierten ihren Probebetrieb außerhalb der Universität selbstständig, samt neuer Dirigenten. Die Rückkehr an die Uni war jedoch jedoch zu jedem Zeitpunkt das oberste Ziel. Viele Gespräche von studentischen Vertretern der Ensembles mit dem Rektorat und weiteren Verantwortlichen brachte die beiden Parteien einander wieder näher. Das letzte Konzert der bedient Ensembles mit Mozarts Requiem konnte endlich wieder in der Uni Aula aufgeführt werden. Hier ein Video zu den Proben:

Inzwischen haben Chor und Orchester eine Vereinbarung unterzeichnet, die eine dauerhafte Zugehörigkeit zur Uni regelt. Dabei bleibt die Unabhängigkeit und künstlerische Freiheit bestehen, dafür wird es in der Zukunft öfter auch gemeinsame Projekte mit dem neuen Leiter des Kulturforums Jörg Ritter geben. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Begeisterung für die Musik und für das Miteinander Kräfte freisetzten kann, mit denen neue Projekte auf den Weg gebracht werden können. Es kehren zwar wieder zwei Ensembles mit traditionsreichem Namen an die Uni zurück, doch ihr kreatives Potential ist größer denn je. Standen Probereisen der Vergangenheit hauptsächlich unter der Organisation der Uni, wird das Prag-Programm maßgeblich von den Sängern selbst organisiert und geplant.

Am 31.07 gibt es um 19 Uhr noch eine offene Generalprobe in der katholischen Kirche Maria Magdalena in Bonn Endenich.

www.collegiummusicumbonn.de

Artikelbild: Sebastian Heider

 

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